Wedding – Mythos Bronx oder Heimat der Gewalt?

August 23, 2011 | Kommentare deaktiviert für Wedding – Mythos Bronx oder Heimat der Gewalt?

Die Rock- und Mottoradclubs Bandidos, Hell Angels und Hells Angels Nomads Türkiye gewinnen täglich mehr und mehr Jugendliche, klagt David. Gewerbetreibende beschweren sich Einbrüche. Britta schimpft über Spielhallen, Sucht und Beschaffungskriminalität. Grund genug, das Thema mal genauer unter die Lupe zu nehmen. Gewalt im Wedding, ist das der Mythos Bronx oder bittere Realität?

Gut 30 Leute haben den Weg ins Stattbad Wedding gefunden und diskutieren mit. Einig sind alle schnell: Der Ruf des Weddings ist schlechter als die Realität. Also Mythos. Meinetwegen auch Bronx.

Gelegentlich ist Gewalt natürlich bittere Realität im Wedding, doch das kennt leider jeder Kiez. Die Zahlen der Berliner Polizei zeigen übrigens, dass der Stadtteil Mitte die Statistik mit fast 50% mehr Straftaten anführt. Mitte ist berlinweit Spitzenreiter in Sachen Kriminalität und Gewalt. Wär‘ ich sarkastisch, würde ich gratulieren. Erst bei Raub, Rauschgiftdelikten und Diebstählen nähern sich Mitte, Gesundbrunnen und Wedding an. Das bringt uns schnell zum Thema Drogen und damit zu Cannabis und Tillidin. Tillidin ist ein Opiat, das eingesetzt wird bei KrebspatientInnen. Es lindert Schmerzen, steigert die Leistungsfähigkeit und ist sehr beliebt im Wedding, weiß Serdar (20).

Ob Gewalt nur von Jugendlichen ausgeht, fragt Ulf Sigel, Straßensozialarbeiter von Gangway im Team Mitte. Und warum bekämpfen wir nicht die Wurzeln von Gewalt und stärken Familien, fragt Sabrina Mallwitz, grüne Kandidatin für das Beziksparlament. Warum viel Geld für die Verwaltung von Anträgen ausgegeben wird anstatt die Leute vor Ort zu stärken, die im Kiez was bewegen wollen, fragt Mesut Lencper von kiezboom e.V. Fragen über Fragen.

Am Ende des Abends haben wir viel gelernt über Ehre, Rap, Breakdance, die Unpopularität von Töpferkursen und die Null-Bock-Attitüde vieler Jugendlicher. Egal ob Hausaufgabenhilfe oder Breakdance-Kurse, Jugendliche brauchen begeisterte Vorbilder und Gemeinschaften. Dauerhafte Regelfinanzierung von guten Vereinen und Initiativen wird gefordert, keine weiteren Schließungen von Jugendeinrichtungen im Bezirk Mitte, Förderung zu entbürokratisieren und bei der Jugendhilfe nicht weiter zu kürzen. Wir haben die Stimmen vernommen und machen uns auf den Weg. Herzlichen Dank an alle für die Debatte.

 


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